Mai30

Was passiert, wenn alles anders wird?

Manch­mal ver­schieben sich Dinge, die Welt verän­dert sich. Und wir? Wir sind er­st­mal über­fordert. Das ist nachvol­lziehbar, bere­its in an­deren Epochen war es so. Am besten besin­nen wir uns auf das Wis­sen un­ser­er Vor­fahren und richt­en un­seren Blick nach vorne.

Die men­schliche Gesellschaft en­twick­elt sich stetig weit­er, in ihrer Evo­lu­tion lassen sich vi­er Epochen un­ter­schieden: Sprache, Schrift, Buch­druck und Com­put­er. Grosse Verän­derun­gen, die die Gesellschaft umkrem­peln, die Art zu denken und somit auch den Blick auf die Welt. Aber der Prozess ist kein rei­bungslos­er. Ganz im Gegen­teil:  Solche Verän­derun­gen pro­duzieren im­mer einen Über­schuss an Sinn, der die Gesellschaft und damit ihre Struk­turen und ihre Kul­tur zunächst mal über­fordert. Danach muss die Gesellschaft nach Mit­teln und We­gen suchen, mit dieser Sit­u­a­tion umzuge­hen, die Kom­plex­ität zu re­duzieren, damit sie mit der Verän­derung umge­hen kann. Das war bei allen drei Verän­derun­gen zu­vor der Fall und be­t­rifft nun auch den Com­put­er, al­so die Dig­i­tal­isierung.

Der tiefe Schmerz der Verän­derung

Tief­greifende Verän­derun­gen sind nicht ein­fach, sie tun weh, sie kön­nen uns in hand­feste Krisen stürzen. Und das ist gut so. Denn in ein­er Krise müssen neue Wege und Mit­tel ge­fun­den wer­den, sich zu or­gan­isieren und zurechtzufind­en. Das kann auf ver­schiede­nen Ebe­nen geschehen: per­sön­lich, pro­fes­sionell oder poli­tisch — eine Tren­nung, eine Kündi­gung oder die Wahl eines un­lieb­samen Präsi­den­ten. Unser bis an­hin sta­bil und sich­er geglaubtes Welt­bild gerät ins Wanken, wir ver­lieren den Halt, ger­at­en ins Trudeln, hin­ter­fra­gen un­sere Werte und Ide­ale. Wir gehen in die De­fen­sive und lehnen die Verän­derun­gen zuerst mal ab.

Ablehnen, um zu akzep­tieren

Gemäss Niklas Luh­mann, Sozi­ologe und Gesellschaft­s­the­o­retik­er, ist das Negieren eine Vo­raus­set­zung von und für Kom­mu­nika­tion, die Wider­stände gegen die Dig­i­tal­isierung sind da­her eine Vo­raus­set­zung ihrer Durch­set­zung. Dies, weil jede Kom­mu­nika­tion einen «Ver­weisungsüber­schuss von Sinn» en­thalte; sie ver­weist auf ihren jew­eili­gen Sinn im Kon­text eines auch an­ders möglichen Sinnes und dieser Über­schusssinn mache sie über­haupt erst er­leb­bar. Die Dig­i­tal­isierung lässt sich demzu­folge als neue Me­di­enepoche ver­ste­hen, die sich ihrer­seits mit vorheri­gen Epochen ver­gle­ichen lässt. Und es stellt sich dabei die Frage, wie es der Gesellschaft gelun­gen ist, diese Über­schüsse zu struk­turi­eren und einzuord­nen.

Die Suche nach neuen Struk­turen und Sinnhaftigkeit erzeugt zuerst ein­mal Ver­wirrung. Um die neue Welt zu ver­ste­hen, müssen neue Denkmuster an­gelegt wer­den. Das braucht Zeit und En­ergie. Und Mut, den Schritt nach vorne zu wa­gen.

Der Di­a­log der Zukun­ft

Was be­deutet das für uns, für die Art und Weise, wie wir miteinan­der umge­hen? Wie funk­tion­ieren Di­aloge in der Zukun­ft? Die Ver­mit­tlung von In­for­ma­tion wird nicht mehr lin­ear ver­laufen, son­dern eher in Form ein­er Ma­trix. Dazu kommt die schiere Menge an In­for­ma­tio­nen und die Beschle­u­ni­gung von Kom­plex­ität, da nun im­mer mehr Maschi­nen an der Kom­mu­nika­tion beteiligt sind, alles ist plöt­zlich verknüpf- und wan­del­bar. Zu jed­er Zeit und ohne spez­i­fis­che Gren­zen. Über­schaubare Gefässe wie z. B. Kon­feren­zen oder ähn­liche An­lässe kön­nen plöt­zlich ganz an­ders ausse­hen und ver­laufen, weil sie mehr In­ter­ak­tion er­fordern oder neue El­e­mente in­te­gri­eren, die bis an­hin nicht in den Kon­text zu passen schienen. Und ja, es wird uns zuerst über­fordern, wir wer­den es zuerst ablehnen, weil wir es nicht ver­ste­hen. Und das ist gut so, das gehört zum Prozess. Erst danach kön­nen wir es an­nehmen und nach vorne schre­it­en. Kom­men Sie mit?

Bild: © Maxim Tikhansky CC BY

Published 30.05.2017 © Brandsoul AG

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Mauro Werlen

Mauro
Werlen

Redet mit den Händen und nutzt Bilder in seinem Kopf, um die Welt zu strukturieren.

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