Jun22

Spielend arbeiten?

Teil der Dig­i­tal­isierung und somit auch der Ar­beitswelt sind El­e­mente wie Gam­i­fi­ca­tion, zu Deutsch „Spieli­fizerung“. Was ver­birgt sich hin­ter diesem Be­griff, was kön­nen wir darunter ver­ste­hen und vor allem: wie kön­nen wir das Konzept richtig nutzen? Um Klarheit zu schaf­fen, haben wir bei den Spie­len­twick­lern von www.koboldgames.ch nachge­fragt, der Code Wiz­ard und Trea­sury Man­ag­er Ralf beant­wortete un­sere Fra­gen.

Ihr seid Game De­sign­er. Bei vie­len Men­schen ruft das Wort Game im­mer noch merk­würdi­ge As­sozi­a­tio­nen her­vor: dig­i­tale Baller­spiele, merk­würdi­ge Re­al­itätsver­weigerung, unge­wasch­ene, Teenag­er. Das ist selb­stver­ständlich nur ein blödes Vorurteil. Spie­len fördert die die kog­ni­tive En­twick­lung, wird in der Päd­a­gogik auch als Lern­meth­ode gezielt einge­set­zt. Auch fördert es die mo­torischen Fähigkeit­en und sozialen Kom­pe­ten­zen, on­line oder auf dem Pausen­platz.

In­wiefern stimmst du der let­zten Be­haup­tung zu oder nicht?

Das stimmt ab­so­lut. Zu diesen The­men gibt es auch bere­its Stu­di­en, die das ein­deutig bele­gen. Ein wichtiger Punkt ist für mich auch die Mo­ti­va­tion. Das ken­nen wir alle. Wenn man Spass an ein­er Sache hat, ist man bere­it, mehr Zeit zu in­vestieren, was am Ende zu pos­i­tiv­eren Re­sul­tat­en oder grösseren Fortschrit­ten führt. So haben Spiele (dig­i­tal und ana­log) zum Beispiel auch einen mess­baren pos­i­tiv­en Ein­fluss im Bere­ich der Re­ha­bil­i­ta­tion.

Im Zuge der Dig­i­tal­isierung hat sich vieles in un­ser­er Wahrnehmung verän­dert, die Welt ist neu, kom­plex­er und vielfältiger. Mehr In­for­ma­tio­nen, neue Wege zu kom­mu­nizieren und zu ler­nen. Wo siehst du das Spiel oder – genauer – die Gam­i­fi­ca­tion in diesem Zusam­men­hang?

Jedes Spiel ist eine eigene kleine Welt, die durch die Spiel­regeln definiert wird. Als Spie­len­twick­ler ist es meine Auf­gabe, diese Welt und ihre Regeln so zu for­men, dass meine Spiel­er die gewün­scht­en Er­leb­nisse er­fahren. Im dig­i­tal­en Bere­ich habe ich mehr Werkzeuge zur Ver­fü­gung, diese Spiel­welt zu beschreiben, be­bildern und ver­to­nen. Das Medi­um Spiel kann hi­er diesel­ben Vorteile der Dig­i­tal­isierung nutzen wie auch an­dere Me­di­en. Schneller und ort­sun­ab­hängiger Zu­gang, Ve­r­ar­beitung gross­er Daten­men­gen oder kom­plexe In­halte er­leb­bar machen. Es ist aber keineswegs da­rauf angewiesen. Es gibt viele Bere­iche, in de­nen sich die analo­gen El­e­mente eines Spiels nicht ein­fach weg­denken lassen, wie zum Beispiel im Sport oder in einem Sand­kas­ten.

Wie geht ihr vor bei einem Auf­trag von einem Kun­den, der ein spielerisches El­e­ment an zum Beispiel  ein­er Kon­ferenz oder ein­er Messe ein­set­zen will? Worauf muss man acht­en? Wie viel Vor­wis­sen muss der Kunde mit­brin­gen?

Der Kunde bringt vor allem die Fachken­nt­nisse aus seinem Herkun­fts­ge­bi­et und ein Wis­sen über seine Ziel­gruppe. Was die spielerischen El­e­mente und die tech­nis­chen Möglichkeit­en an­be­langt, so muss kein Vor­wis­sen vorhan­den sein. In einem gemein­samen, von uns of­ferierten Work­shop, schauen wir diese Punk­te an und brin­gen sie in Ein­klang mit den gewün­scht­en Kun­den­zie­len. Diese Grund­lage di­ent dann auch als Ba­sis für eine Aufwand­schätzung.

Ist Gam­i­fi­ca­tion an ein­er Kon­ferenz nicht eher eine Ablenkung von den tat­säch­lichen und wichti­gen In­hal­ten?

Ich se­he Gam­i­fi­ca­tion an Events als Ergänzung und nicht als Ablenkung. Ein wohl ge­plantes und gut platziertes Spiel kann einen Event be­gleit­en oder punk­tuell für span­nende In­ter­ak­tio­nen sor­gen. Es hil­ft sog­ar mit, den Fokus auf die wichti­gen In­halte zu lenken.

Warum sollte sich eine Fir­ma dazu entschei­den, Gam­i­fi­ca­tion einzuset­zen? Ist das nicht ein Wider­spruch zur ser­iösen und ef­fizien­ten Ar­beit?

Das grosse Po­ten­tial se­he ich in der Mo­ti­va­tion. Gam­i­fi­ca­tion be­deutet nicht, dass In­halte weniger ser­iös oder in­ef­fizient präsen­tiert wer­den. Gam­i­fi­ca­tion be­deutet viel mehr, dass ein beste­hen­des The­ma über eine an­dere Art zugänglich gemacht wer­den kann. Dadurch entste­hen emo­tionale Er­leb­nisse, welche zu ein­er nach­haltigeren und mo­tivierten Au­seinan­der­set­zung mit einem The­ma führen. Die An­wen­dungs­felder im Busi­ness­bere­ich re­ichen von Team­bil­dung über die in­terne Kom­mu­nika­tion, Daten­er­fas­sung, Prozesser­le­ichterung bis hin zu Weit­er­bil­dung und Aufmerk­samkeits­gener­ierung.

Vie­len Dank für deine Zeit und die span­nen­den Ein­blicke in die Ma­terie, Ralf.

Bild: Markus Spiske, raumrot.com CC0

Published 22.06.2017 © Brandsoul AG

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Francesca Kleinstück

Francesca
Kleinstück

Teil der Generation Z und Hobby-Influencerin. Trinkt nicht nur gerne Kaffee - sie muss sogar, um zu funktionieren.

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